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Instrumente in der Verbraucherpolitik

Wirtschaft führt eigenständige Tierwohllabel ein

In der Debatte um die Einführung von Lebensmittelkennzeichnungen und einem gesonderten Siegel zur Dokumentation des Tierwohls haben sich die großen Lebensmittelketten nun zur gemeinsamen Einführung entsprechender Kennzeichnungen entschieden. Damit greifen die Unternehmen einer seit längerem diskutierten gesetzlichen Lösung vor. Aus verhaltens- und politikwissenschaftlicher Sicht ist dieser Schritt interessant. Einerseits gelten Siegel, und allgemeiner, Lebensmittelkennzeichnungen als niedrigschwellige Informationsmöglichkeit für Konsumenten; sie können also verhaltenslenkend wirken und die Kaufhandlungen beeinflussen. Andererseits stellt der Umfang der bereitgestellten Informationen und die tatsächliche Bedeutung solcher Kennzeichnungen für Tier-, Gesundheits- und Umweltschutz eine fortwährende Spannung zwischen verschiedenen Interessen dar. Wir dokumentieren einige der widerstreitenden Positionen, denen gemein ist, dass sie auf die eine oder andere Weise verhaltenswissenschaftliche Expertise für ihre Sachaussagen zur Rahmung der Debatte einsetzen und damit auch strategische Kommunikation im Vorfeld eines Gesetzes vornehmen:

Workshop „Politik mit dem Verbraucher“ führte verschiedene Perspektiven der Verbraucherforschung zusammen

Der Workshop „Politik mit dem Verbraucher“ führte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Verbraucherpolitik und Wirtschaft zusammen. Dadurch wurden verschiedene Perspektiven auf das dynamische Forschungsprogramm der Verbraucherforschung gerichtet. Am Ende zeichnete sich ab, dass es nicht eine Perspektive auf das Akteurhandeln in der Verbraucherpolitik geben kann und dass Verbraucherforschung und -politik enge Wege gehen sollten, um die aktuellen Veränderungen einzuordnen.

Der Workshop wurde mit einem Vortrag von Holger Straßheim (Universität Bielefeld) eingeleitet. Straßheim fragte allgemein nach der Rolle verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse für die Verbraucherpolitik. Nach einer Vorstellung zentraler Akteure, Begriffe und verwendeter Methoden fokussierte Straßheim auf eine spezifische Akteurkonstellation innerhalb der Verbraucherpolitik, die er mittels Netzwerkanalyse abbildete. Insgesamt sah Straßheim weiteren Forschungsbedarf was die Anfälligkeit politischer Partizipation seitens der Verbraucher für manipulative Aufbereitung von verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen abelangt. Zudem müsse die Akteurkonstellation von einer interpretativen Ausdeutung möglicher Verbrauchdiskurse begleitet werden. Und schließlich existieren Vorgänge wie das „Nudging“ quer über verschiende Politikfelder hinweg, sind also nicht allein auf die Verbraucherpolitik begrenzt. Hier gelte es, ihre Langzeitwirkungen und ihren Einfluss auf das Handeln der Verbraucher zu untersuchen. Weiterlesen

„Politik mit dem Verbraucher?“ Workshop am 18. September 2018 in Hagen

Am 18.09.2018 findet in Hagen der Workshop „Politik mit dem Verbraucher?“ zu aktuellen Debatten in der Energie-, Gesundheits- und Verbraucherpolitik statt. Der Workshop widmet sich aktuellen Entwicklungen aus unterschiedlichen Politikfeldern, die alle MarktteilnehmerInnen betreffen – Anbieter von Produkten und Dienstleistungen ebenso wie die VerbraucherInnen. Dabei sollen verschiedene Varianten politischer Interventionen, also die „Instrumente der Verbraucherpolitik“, offen debattiert werden. Außerdem geht es um die Frage, wie Forschungsergebnisse, die das individuelle Verhalten in den Mittelpunkt stellen, tatsächlich in konkrete Politik transferiert werden können.

Weitere Informationen und das Programm finden Sie auf unserer Themenseite.

Bitte melden Sie sich bis zum 15.08.2018 hier an.

Interessenten können sich bei Fragen zum Workshop, zur Anreise o.ä. an Herrn Alexander Leipold: alexander.leipold@fernuni-hagen.de wenden.

 

Mit dem Verbraucher Politik machen? – Neuer Aufsatz erschienen

Wie wird mit Verbraucherinnen und Verbrauchern Politik gemacht? Und wie werden sie dabei von der Politik adressiert? In einem neuen Aufsatz für die Beiträge zur Verbraucherforschung bearbeiten wir diese Fragen anhand einer Auswertung von Gesetzesinitiativen des Deutschen Bundestages zwischen den Jahren 2009 und 2017. Unser Beitrag fokussiert auf die Politikfelder Energie und Gesundheit und resümiert, dass politische Maßnahmen bislang kein konkretes Adressatenverständnis zeigen. Dies lässt vermuten, dass politische Akteure in der Gestaltung der Maßnahmen bislang noch wenig das Verhalten reflektieren und als Ausgangspunkt für ihre Politik nutzen. Das Projekt IniVpol arbeitet auf Basis dieser ersten Auswertung an einem Konzept und empirischen Tests, um die vielfältigen politischen Maßnahmen zur Beeinflussung des Verbraucherhandelns einzuordnen und dadurch den Wandel der Verbraucherpolitik verstehen zu können. Die Beiträge zur Verbraucherforschung werden vom Kompetenzzentrum für Verbraucherforschung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (KVF NRW) herausgegeben. Unser Beitrag enthält Ergebnisse, die wir auf einer gemeinsamen Tagung im letzten Jahr in Düsseldorf vorgestellt hatten. Der gesamte Band steht zum kostenfreien Download zur Verfügung (hier).

Behavioral Economics Guide 2018

Die Webseite behavioraleconomics.com ist ein Repositorium an Informationen rund um die vergleichsweise junge Subdisziplin der Wirtschaftswissenschaft. Auf diesem Blog wird regelmäßig auf Wechselwirkungen der Verbraucherpolitik und Verbraucherforschung mit verhaltensökonomicshen Erkenntnissen verwiesen. Nun ist ein neuer Übersichtsband erschienen, der einen Einblick in zahlreiche Anwendungsfelder in der Praxis gibt den aktuellen Forschungsstand zusammenfasst. Wie in der Titelgebung der Disziplin erkennbar enthält dies aber auch Grenzen. Insgesamt ist der sozialwissenschaftliche und damit fächerübergreifende Bezug ausbaufähig. Das Forschungsprojekt IniVpol sieht sich selbst als einen Versuch für einen Brückenschlag, um das vorhandene Wissen durch eine sozialwissenschaftliche Konzeptualisierung verhaltenswissenschaftlich informierter Forschungsansätze zu erweitern.

Umweltbundesamt legt Bericht zur Nutzung von Instrumenten vor

Das Umweltbundesamt hat im Spätsommer 2017 einen Abschlussbericht zum Thema „Nudging“ veröffentlicht. Unter dem Titel Nudge-Ansätze beim nachhaltigen Konsum: Ermittlung und Entwicklung von Maßnahmen zum „Anstoßen“ nachhaltiger Konsummuster wird eine Übersicht der bislang im Bereich der Umweltpolitik angewandten Mittel zur Erzielung eines veränderten Verbraucherverhaltens dargestellt. Der Bericht enthält zudem eine Klassifikation der bislang bekannten Formen von Nudging. Darüber hinaus wird das Akteurspektrum und der organisatorische und institutionelle Rahmen der Umweltpolitik aufzeigt. Der Bericht schließt mit konkreten Best-practice-Beispielen und gibt einen Ausblick auf weitere mögliche Anwendungsfelder. An der Ausarbeitung waren unter anderem Lucia Reisch von der Copenhagen Business School, Christian Thorun von ConPolicy, einer privaten Agentur für Politikberatung sowie Cass Sunstein, der Mitbegründer des „Nudge“-Konzeptes beteiligt.

Das Projekt IniVpol hat 2017 eine neue Typologie politischer Instrumente entwickelt, die in Kürze im „Handbook of Behaviour Change and Public Policy“ (Hrsg. Silke Beck und Holger Straßheim, erscheint bei: Edward Elgar) veröffentlicht werden. Diese Typologie zielt auf eine größere Trennschärfe zwischen verschiedenen konventionellen politischen Instrumenten. Zudem vermittelt die Typologie ein Verständnis zur Zusammenhang zwischen verhaltenswissenschaftlich informierter Politik und diesen Instrumenten.

Vorstellung von Projektergebnissen an der FernUniversität in Hagen

Dr. Kathrin Loer und Alexander Leipold konnten erste Projektergebnisse im Rahmen des Kolloquiums am Institut für Politikwissenschaft der FernUniversität in Hagen vorstellen. Im Zentrum ihrer Präsentation stand die Verwendung und Auswirkung verschiedener verhaltenswissenschaftlicher Maßnahmen in den USA, Großbritannien und Dänemark. Neben der Erläuterung des zentralen Mechanismus, der die Anwendung von verhaltenswissenschaftlich informierten Politikinstrumenten charakterisiert (sog. „behavioural spin“), konnte auch ein erster Einblick in die Unterschiedlichkeit der Anwendungsfelder für die Energie- und Gesundheitspolitik gegeben werden.

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