Fallbeispiele zur Steuerung gesellschaftlicher Risiken in ausgewählten Staaten

Die Analyse von politischen Instrumenten, die mit verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen in ihrer Wirkungsweise verändert werden, steht im Zentrum dieses Forschungsprojekts. Auf dieser Seite stellen wir kurze Zusammenfassungen von Fallstudien zu den gesellschaftlichen Risiken ungesunde Ernährung und Fettsucht sowie Energieeinsparung in Privathaushalten bereit.

Die Fallbeispiele sollen testen, inwieweit ein „behavioural spin“ Einfluss auf die gewählten Instrumente oder Instrumentenkombinationen nimmt.

A) Bekämpfung von Adipositas

B) Energienutzung in Privathaushalten

  • Hintergrundinformationen (s.u.)
  • Fallbeispiele folgen in Kürze
Hintergrundinformation: Bekämpfung von Adipositas

Nahezu alle hoch entwickelten Volkswirtschaften verzeichnen einen steigenden Trend zu Übergewicht und Fettsucht (Adipositas). Im Durchschnitt der OECD-Staaten waren im Jahr 2015 bereits rund ein Fünftel der Bevölkerung fettleibig, weitere 35 Prozent übergewichtig (OECD, Obesity Update 2017). Mit anderen Worten: Mehr als die Hälfte der Bevölkerungen in den wirtschaftlich besonders hoch entwickelten Gesellschaften weisen ein ungesundes Ernährungsverhalten auf. Abbildung 1 gibt einen Überblick über die aktuelle Verteilung des Anteils von Fettsucht in 26 OECD-Staaten. Und die Tendenz ist weiter steigend. Wie bei allen Durchschnittswerten können diese nur eine ungefähre Ahnung von den tatsächlichen Auswirkungen vermitteln. Auch zwischen den Staaten bestehen teils beträchtliche Varianz. In den Vereinigten Staaten (USA) erreicht diese Tendenz einen negativen Spitzenwert. Denn mit gut 38 Prozent ist der Anteil an fettleibigen Menschen in der Bevölkerung doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt. Er ist zudem knapp sieben Prozentpunkte höher als in Mexiko, das an zweiter Stelle folgt. Entsprechend hoch fallenauch  die Gesundheitsausgaben aus, die in den USA pro Jahr für die Behandlung und Vorsorge gegen Übergewicht und Fettsucht aufgebracht werden müssen. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), eine dem US-Gesundheitsministerium nachgeordnete Regulierungsbehörde, schätzt die jährlichen Kosten auf rund 124 Milliarden Euro (CDC 2015). Nach Daten der Weltbank entspricht dies etwa zehn Prozent der gesamten bundesstaatlichen Gesundheitsausgaben im Jahr 2016. Weitere Kosten entstehen u.a. durch Fehlzeiten für Krankenbehandlung oder durch Mängel in der Rekrutierung gesundheitlich geeigneter Menschen für das US-Militär.

Abbildung 1: Anteil von Personen mit Fettsucht (BMI > 30) in OECD-Staaten (Quelle: OECD, Health Statistics 2017; eigene Darstellung)

Hintergrundinformation: Energienutzung in Privathaushalten

Im Feld der Energie- und Umweltpolitik finden verhaltenswissenschaftlich informierte Maßnahmen ebenfalls wachsenden Zuspruch, um vor allem angesichts von Klimazielen und Ressourcenknappheit für „wirksameres“ Regieren zu sorgen. Die USA, UK und Dänemark, die bei IniVpol im Fokus stehen, erreichen nach aktuellen Zahlen der Weltbank einen vergleichsweise hohen Energieverbrauch. Dennoch bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen den Staaten, die auf unterschiedliche Politikmodi und historische Pfadabhängigkeiten zurückgeführt werden können. Die Beobachtung von Zeitreihen zu den Verbrauchsdaten lässt vermuten, dass einmal eingeschlagene Wege in der Energieversorgung nicht kurzerhand umgekehrt werden können. Trotzdem streben Regierungen und internationale Organisationen an, auch die einzelnen VerbraucherInnen zu einem veränderten Verhalten anzuregen, wenn es um die Energienutzung geht.

Gerade deshalb überrascht es nicht, dass in diesem Feld der Energiepolitik (Ressourcennutzung in Privathaushalten) sehr viele verschiedene Maßnahmen zu finden sind, die häufig auf die Expertise von Verhaltenswissenschaften zurückgreifen.