Nachhaltiges Wirtschaften und gesundes Leben erfordern ein verändertes Verbraucherverhalten. Akteure in Politik und Verwaltung sind sich mittlerweile bewusst, wie sehr das Erreichen von politischen Zielen bei Energieverbrauch und Ressourcenschonung, aber auch im Gesundheitsschutz vom Verhalten der einzelnen Bürgerinnen und Bürgern abhängt. Der staatlichen Verbraucherpolitik steht zwar theoretisch ein breites Spektrum an Instrumenten zur Verfolgung dieser politischen Ziele zur Verfügung. Insbesondere, wenn es um die Beeinflussung individueller Lebensstile und Konsumentscheidungen geht, gelten finanzielle Anreize und informationelle Maßnahmen allerdings als praktisch wenig wirksam, Ver- und Gebote sind oft politisch umstritten und daher riskant. Daher erscheinen zumindest aus politischer Perspektive solche Instrumente attraktiv, die den oder die Einzelne(n) nicht zu nachhaltigem oder gesundem Verhalten zwingen, sondern subtil und effektiv „stupsen“ oder lenken. Dies schlagen unter anderem Cass Sunstein und Richard Thaler mit ihrem Konzept des „Nudging“ vor, und bieten damit eine von verschiedenen verhaltenswissenschaftlichen Methoden an, die allerdings kritisch betrachtet werden können. Der damit verbundene Begriff des „libertinären Paternalismus“ steht für eine eigentümliche und kontraintuitiv erscheinende Mischung aus fortbestehender individueller Freiheit und wohlgemeintem staatlichen Eingriff.

Das gesamte Spektrum an Instrumenten, die für die Verbraucherpolitik sowohl Potenziale als auch Risiken bergen, steht im Mittelpunkt des Forschungsprojektes, das vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung (NRW) ab Januar 2017 gefördert wird. Dr. Kathrin Loer am Lehrgebiet „Politikfeldanalyse und Umweltpolitik“ leitet das drei Jahre laufende Projekt. Dies soll zunächst eine Einordung der neuen Steuerungsformen in den „Instrumentenkasten“ leisten, um dann einen systematischen Überblick über die Verwendung verhaltensökonomischer Instrumente in ausgewählten Ländern zu bieten. Dabei geht es um die Frage, auf welche Weise und in welchem Umfang verhaltenswissenschaftlich informierte Steuerung bereits in OECD-Staaten zu beobachten ist und wie sie dort funktioniert. Die Analyse widmet sich politischen Maß- nahmen in den Themenfeldern Gesundheitspolitik sowie Energie- und Klimapolitik. In einem zweiten Projektteil geht es um die Analyse der Anwendungsmöglichkeiten, die zwar von der Verhaltenswissenschaft für bestimmte Bereiche vorgeschlagen werden, aber (unter Umständen) auf Widerstände und Hürden im politischen Prozess stoßen. Dabei soll geklärt werden, unter welchen Voraussetzungen verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse in politische Strategien überführt werden können.

Die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt sollen im Sinne der Forschungsstrategie NRW dazu genutzt werden, Langfriststrategien zu entwickeln, die implementiert werden können, um nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltigen Verbrauch miteinander in Einklang zu bringen.

Projektleitung: Dr. Kathrin Loer

Projektmitarbeiter: Alexander Leipold, M.A.