Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit (BMUB) und das Umweltbundesamt (UBA) haben Anfang April Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung in ihrem gemeinsam publizierten Bericht zum Umweltbewusstsein in Deutschland vorgestellt. Ein Ergebnis der wiederkehrenden Befragung ist ein inzwischen bedeutend gestiegenes Umweltbewusstsein der Verbraucher. Allerdings halten die Handlungsanpassungen im privaten und beruflichen Umfeld damit nicht Schritt. Während ein verändertes Denken erste und wichtige Voraussetzung für nachhaltiges, umweltschonendes Handeln ist, müssen nun praktische Möglichkeiten geschaffen und gefördert werden, um den Bewusstseinswandel auch Realität werden zu lassen.

Ein Beispiel dafür bietet der Wunsch nach mehr Wahlmöglichkeiten im Berufspendeln, das für viele Arbeitnehmer Realität ist. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Pendelns werden inzwischen eher negativ bewertet. So kam eine 2016 im Auftrag der Royal Society for Public Health publizierte Studie zu dem Ergebnis, das passives Pendeln (z.B. im Auto) das Risiko für Bluthochdruck und mangelhafte Ernährung erhöhen kann. Auch psychologische Belastungserscheinungen sind mit langem Pendeln assoziiert, wie eine 2014 von Martin et al. in Preventive Medicine veröffentlichte Studie nahelegt. Knapp die Hälfte aller Berufspendler muss wochentäglich eine Strecke von unter zehn Kilometern zum Arbeitsort zurücklegen. Eine Distanz, die gut geeignet ist für den Weg mit dem Fahrrad.  Dennoch machen laut aktuellem Datenreport hiervon nur 15 Prozent der Pendler Gebrauch. Die Gründe hierfür mögen unterschiedlich sein und in der individuellen Verfassung (Gesundheit, Fitness), der Verfügbarkeit eines Fahrrades im Haushalt sowie den Möglichkeiten zur Umkleide in der Berufsstätte liegen. Auch empfundener und tatsächlicher Zeitdruck können Gründe für den Rückgriff auf das private Auto sein, das noch immer von mindestens 50 Prozent der Pendler (in Städten) und weit über 70 Prozent der Pendler im ländlichen Raum genutzt wird. Neue Mobilitätsformen, die die Verwendung des Autos mit der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs verbinden, leiden nicht zuletzt an der Einschränkung des Fahrangebotes durch gestrichene Verbindungen und Desinvestitionen in das Schienennetz. Die Umsetzung umweltbewussten Denkens in konkretes Handeln bedarf daher eines multidimensionalen Ansatzes, der auch auf verstärkte Investitionen in die öffentliche Infrastruktur setzen muss, um den weiter wachsenden Pendlerströmen gerecht werden zu können.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.