In der Debatte um die Einführung von Lebensmittelkennzeichnungen und einem gesonderten Siegel zur Dokumentation des Tierwohls haben sich die großen Lebensmittelketten nun zur gemeinsamen Einführung entsprechender Kennzeichnungen entschieden. Damit greifen die Unternehmen einer seit längerem diskutierten gesetzlichen Lösung vor. Aus verhaltens- und politikwissenschaftlicher Sicht ist dieser Schritt interessant. Einerseits gelten Siegel, und allgemeiner, Lebensmittelkennzeichnungen als niedrigschwellige Informationsmöglichkeit für Konsumenten; sie können also verhaltenslenkend wirken und die Kaufhandlungen beeinflussen. Andererseits stellt der Umfang der bereitgestellten Informationen und die tatsächliche Bedeutung solcher Kennzeichnungen für Tier-, Gesundheits- und Umweltschutz eine fortwährende Spannung zwischen verschiedenen Interessen dar. Wir dokumentieren einige der widerstreitenden Positionen, denen gemein ist, dass sie auf die eine oder andere Weise verhaltenswissenschaftliche Expertise für ihre Sachaussagen zur Rahmung der Debatte einsetzen und damit auch strategische Kommunikation im Vorfeld eines Gesetzes vornehmen: