Am 10. Juli 2017 fand im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf der Workshop „Verbraucherpolitik jenseits des Otto Normalverbrauchers“ statt. Organisiert wurde er vom Kompetenzzentrum Verbraucherforschung NRW (KVF NRW).

Alexander Leipold und Kathrin Loer nutzten die Gelegenheit, um Ergebnisse einer kleinen Vorstudie zu präsentieren, die im Rahmen von IniVpol entstanden ist. Leipold und Loer untersuchen, wie der Verbraucher in unterschiedlichen Politikfeldern zum Adressat politischer Instrumente wird. Dazu führten sie eine Analyse für zwei Legislaturperioden des Deutschen Bundestages zwischen den Jahren 2009 bis 2017 durch. Deutlich wird, welches Verständnis vom Verbraucher (als Adressat) den politischen Instrumenten zu Grunde liegt: In erster Linie adressiert der Bundestag den regelbefolgenden und den vernunftbasierten Akteur. Es dominiert eine eine Kombination von Ge- und Verboten („command and control“) mit informatorischen Maßnahmen. Zudem lässt sich in den Gesetzesbeschlüssen ausmachen, dass weitere Adressatenkonzepte in Betracht gezogen werden. Zum Beispiel den unverantwortlichen Akteur, den miskalkulierenden Akteur oder den kooperativen Akteur. Interessanterweise korrespondiert die Instrumentenwahl oder -mixtur nicht (immer) mit den Adressatenvorstellungen.

Im Vortrag wurden ferner Dimensionen einer Verbraucherpolitik aufgezeigt, die – möglicherweise – in anderem Gewand daher kommt und damit politische Implikationen hat: Während mit Verbraucherpolitik häufig Verbraucherschutzpolitik assoziiert wird und der Staat dabei seine Schutzfunktion ausübt, lässt sich Verbraucherpolitik auch als Politik mit dem Verbraucher verstehen. Dabei nimmt der Verbraucher als handelnder Akteur eine bestimmte Rolle ein, damit andere politische Ziele – z.B. in der Gesundheits- oder der Umweltpolitik – erreicht werden können. Häufig handelt es sich dabei um komplexe Politikfelder, in denen verschiedene Akteure zusammenwirken: Marktakteure, Verbände, zivilgesellschaftliche Organisationen, Institutionen etc.

Die Ergebnisse der Studie werden in den Beiträgen zur Verbraucherforschung veröffentlicht. Weitere Informationen dazu folgen.

Dr. Kathrin Loer beim Vortrag im Heinrich-Heine-Institut